Der Inhalt entscheidet zuerst
Ein gewöhnlicher Welt-ETF enthält Banken, Versicherer, Alkoholhersteller und Rüstungskonzerne. Er kann deshalb nicht islamkonform sein, egal wie günstig er ist.
Es gibt eigens gescreente Varianten, oft mit „Islamic“ oder „Sharia“ im Namen. Sie bilden Indizes ab, deren Anbieter denselben zweistufigen Filter anlegen: Sektor-Ausschluss, danach Kennzahlen.
Das erste technische Detail: die Nachbildung
ETFs bilden ihren Index auf zwei Wegen ab. Physisch heißt: Der Fonds kauft die enthaltenen Aktien wirklich. Synthetisch heißt: Er hält andere Wertpapiere und tauscht deren Ertrag über einen Vertrag mit einer Bank gegen den Index-Ertrag.
Dieser Tauschvertrag ist ein Derivat mit einer Gegenpartei — und wird von vielen Gelehrten als problematisch angesehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet auf physische Nachbildung.
Das zweite: Wertpapierleihe
Viele physische ETFs verleihen ihre Aktien gegen Gebühr an andere Marktteilnehmer — meist an solche, die auf fallende Kurse setzen. Der Fonds verdient daran zusätzlich.
Ob dieser Ertrag zulässig ist, wird unterschiedlich beurteilt. Die Information steht im Verkaufsprospekt unter „Securities Lending“.
Das dritte: die Reinigung der Erträge
Auch in einem gescreenten Index bleibt ein kleiner Anteil nicht erlaubter Erträge übrig. Manche Anbieter weisen diesen Anteil jährlich aus, damit Anleger ihn spenden können.
Wo diese Angabe fehlt, muss man selbst schätzen — oder einen Anbieter wählen, der sie liefert.