Die einfache Definition
Riba bezeichnet einen Zuwachs, den jemand erhält, ohne dafür ein Risiko zu tragen oder eine Leistung zu erbringen. Das klassische Beispiel: Geld verleihen und mehr zurückverlangen.
Der entscheidende Gedanke dahinter ist nicht, dass Gewinn verboten wäre. Verboten ist Gewinn ohne Risiko. Wer investiert und dabei verlieren kann, darf gewinnen. Wer nur verleiht und in jedem Fall mehr zurückbekommt, nicht.
Die zwei Formen
Riba an-Nasi'ah ist der Aufschlag für Zeit — der klassische Kreditzins. Wer heute 100 leiht und in einem Jahr 110 zurückzahlt, zahlt genau das.
Riba al-Fadl betrifft den ungleichen Tausch gleichartiger Güter: Gold gegen Gold, Weizen gegen Weizen, jeweils in unterschiedlicher Menge. Aus dieser Regel folgt übrigens, dass Gold sofort und vollständig bezahlt werden muss — nicht auf Termin.
Was das für Aktien bedeutet
Ein Unternehmen kann in einer völlig erlaubten Branche arbeiten und trotzdem durchfallen — weil seine Bilanz auf verzinslichen Schulden steht oder weil es nennenswerte Zinserträge nebenbei erzielt.
Deshalb besteht jede ernsthafte Halal-Prüfung aus zwei Schritten. Der erste schaut auf das Geschäft, der zweite auf die Finanzen. Übliche Schwellen liegen bei rund einem Drittel der Marktkapitalisierung für verzinsliche Schulden und bei etwa fünf Prozent für Erträge aus nicht erlaubten Quellen.
Was mit den restlichen Prozenten passiert
Selbst ein geprüftes Unternehmen erzielt gelegentlich kleine Erträge aus nicht erlaubten Quellen — Zinsen auf Bankguthaben etwa. Viele Anleger spenden den entsprechenden Anteil ihrer Erträge. Dieser Vorgang heißt Purification.
Mit Zakat hat das nichts zu tun. Zakat ist eine eigenständige Pflichtabgabe auf das Vermögen und wird zusätzlich fällig.